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Fallzusammenführung: Beurlaubung ist vorzunehmen, wenn die weitere Behandlung bereits am Entlassungstag kurzfristig absehbar ist

S 14 KR 154/19
Sozialgericht Marburg
31.07.2020

Das Sozialgericht Marburg hat sich in einem aktuellen Urteil vom 31.07.2020 mit dem Thema der Fallzusammenführung befasst. Inhaltlich ging es darum, ab wann das Krankenhaus zwei Aufenthalte nur zusammen abrechnen kann, weil eine Beurlaubung vorzunehmen ist.


Die bei der Beklagten Versicherte wurde vom 22. bis 25.08.2016 sowie vom 17. bis 25.10.2016 in der Klinik der Klägerin stationär behandelt. Die Klägerin stellte beide Aufenthalte getrennt in Rechnung, einmal unter Zugrundelegung der DRG 168D sowie einmal unter Zugrundelegung der DRG I10B. Die Beklagte zahlte den in Rechnung gestellten Betrag zunächst; nach Hinzuziehung des MDK kam die Beklagte jedoch zu dem Ergebnis, der zweite Aufenthalt sei bereits bei der Entlassung aus dem ersten stationären Aufenthalt festgelegt worden und erklärte damit die Aufrechnung mit weiteren unstrittigen Behandlungsfällen der Klägerin. Es handele sich um eine bei der Entlassung geplante Wiederaufnahme, bei der das Krankenhaus eine Beurlaubung hätte vornehmen müssen. Die Klägerin hielt dem entgegen, eine Fallzusammenführung sei nicht vorzunehmen, eine Abrechnung habe nach § 8 KHEntgG getrennt zu erfolgen. Die Aufrechnung sei zudem nach § 325 SGB V verspätet erfolgt.


Das Sozialgericht Marburg sah die Klage als unbegründet an; die Klägerin habe keinen Anspruch gegen die Beklagte auf Zahlung des strittigen Rechnungsbetrages. Die Voraussetzungen für eine Fallzusammenführung würden sich vorliegend aus der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts zum Wirtschaftlichkeitsgebot (Vergütung bei fiktivem wirtschaftlichem Alternativverhalten) ergeben.
Wählt das Krankenhaus einen unwirtschaftlichen Behandlungsweg, könne es allenfalls die Vergütung beanspruchen, die bei fiktivem wirtschaftlichem Alternativverhalten angefallen wäre. Die Voraussetzungen einer Beurlaubung seien erfüllt, wenn die weitere Behandlung bereits am Entlassungstag kurzfristig absehbar ist. Es reiche hierfür aus, dass das Krankenhaus bei der Behandlungsunterbrechung die Indikation für die Wiederaufnahme stellt, um die Behandlung zeitnah fortzusetzen. Das Gericht verweist insoweit auf das Urteil des BSG vom 28.03.2017 (Az.: B 1 KR 29/16 R).


Auch eine Verjährung komme vorliegend nicht in Betracht: zum Zeitpunkt der Verrechnung (29.11.2018) gelte eine vierjährige, keine zweijährige Verjährungsfrist. Auch der § 325 SGB V gelte erst zum 01.01.2019. Auf die verfassungsrechtlichen Bedenken zu § 325 SGB V komme es damit nicht mehr an.

B 1 KR 15/21 R Krankenhäuser dürfen wesentliche Leistungen nicht auf Dritte auslagern

www.bsg.bund.de.
Bundessozialgericht
26.04.2022

In diesem Verfahren vor dem Bundessozialgericht hatte die Revision der Beklagten Krankenkasse Erfolg.
Die Parteien stritten hier um die Vergütung einer Krankenhausbehandlung. Die an Brustkrebs erkrankte Patienten wurde seitens der Klägerin wegen akuter Schmerztherapie stationär aufgenommen, allerdings weiterhin ambulant in der Strahlentherapiepraxis in der Nähe des Krankenhauses behandelt.

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S 5 KR 3139/21 ER - Kein einstweiliger Rechtsschutz für Krankenhäuser in Bezug auf die Ausstellung einer Bescheinigung über das Einhalten von Strukturvoraussetzungen

S 5 KR 3139/21 ER
Sozialgericht Ulm
16.03.2022

Die Antragstellerin begehrte im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes vom Antragsgegener die Ausstellung einer Bescheinigung über das Einhalten der Strukturvoraussetzungen des OPS 8-552. Das Gericht entschied jedoch, dass der Antrag weder zulässig noch begründet sei. Gegen den Bescheid, der das Nichtvorliegen der Strukturmerkmale feststellt, wurde seitens des Krankenhauses Widerspruch eingelegt. Dieser entfaltet aufschiebende Wirkung, welche erst bei Bestandskraft der Entscheidung des Antragsgegners oder im Falle einer anschließenden Klage mit Rechtskraft der gerichtlichen Entscheidung entfällt.

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S 28 KR 2726/20 - Keine Leistungspflicht der Krankenkasse bei längerem stationären Aufenthalt aus nicht medizinischen Gründen

S 28 KR 2726/20
Sozialgericht Stuttgart
28.04.2021

Der bei der Beklagten Versicherte sollte noch am Aufnahmetag im Hause der Klägerin aufgrund einer Leistenhernie operiert werden. Aufgrund einer Notoperation am selben Tag, musste der Eingriff jedoch verschoben werden. Die Klägerin behauptet, der stationäre Aufenthalt sei durchgehend medizinisch erforderlich gewesen. Die Beklagte Krankenkasse hatte aufgrund des MDK Gutachtens der Forderung des Krankenhauses nicht entsprochen, da die Verlängerung des stationären Aufenthalts in der Sphäre des Krankenhauses gelegen habe und eine Leistungspflicht somit entfalle.

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S 19 KR 1230/19 - Aufrechnung trotz unterbliebener MDK-Prüfung - Voraussetzungen der Verjährung und Verwirkung eines Erstattungsanspruches

S 19 KR 1230/19
Sozialgericht Speyer
27.09.2021

Das klagende Krankenhaus forderte die Erstattung von Krankenhausbehandlungskosten mit Rechnung vom 18.05.2015, unter anderem aufgrund der Kodierung des OPS 8-550.1. Am 15.11.2018 zeigte der MDK Rheinland-Pfalz gegenüber der Klägerin seine Beauftragung an. Eine Mitwirkung lehnte die Klägerin mit dem Hinweis ab, die Frist für eine Prüfung sei abgelaufen. Die erst drei Jahre nach dem streitigen Behandlungsfall durchgeführte Prüfung sei zudem ohne konkret begründeten Verdacht durchgeführt worden.

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S 16 KR 731/21 ER - Aufhebung der Prüfquotenbegrenzung für das Quartal 1/2021 gemäß § 275 c Abs. 2 S. 1 SGB V

S 16 KR 731/21 ER
Sozialgericht Detmold
05.10.2021

Vorliegend stritten die Parteien über die Aufhebung der Prüfquotenbegrenzung für das Quartal 1/2021 gemäß § 275c Abs. 2 S. 1 SGB V. Mit dem § 275c Abs. 1-4 SGB V führte der Gesetzgeber für die Überprüfung von Schlussrechnungen durch die Krankenkassen und den Medizinischen Dienst für die Zeit ab dem 01.01.2020 ein Prüfquotensystem ein. Demnach sollten Krankenkassen je nach Anzahl der beanstandeten Schlussrechnungen der Krankenhäuser im vorherigen Quartal prozentuale Prüfquoten zustehen. Mit dem Covid-19-Krankenhausentlasungsgesetz und dem Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite wurde eine starre Prüfquote von maximal 5 % pro Quartal für 2020 und von 12,5 % für das Jahr 2021 festgesetzt.

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